Verbandstag der wohnungswirtschaftlichen Verbände 2020 "Wohnungswirtschaft stabil und verlässlich in der Corona-Krise"

Presseinfos03.09.20

Magdeburg – Anlässlich des Verbandstages der wohnungswirtschaftlichen Verbände erklären die Verbandsdirektoren Ronald Meißner (VdWg) und Jens Zillmann (VdW):

„Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zieht für das Jahr 2019 eine insgesamt positive Bilanz. Die 191 Wohnungsunternehmen beider Verbände verwalten und bewirtschaften 325.786 Wohnungen (ca. 42,4 Prozent des Gesamtmietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt), in denen über 600.000 Menschen wohnen. Die Wohnungswirtschaft bleibt auch in der Corona-Krise ein verlässlicher Partner für Mieterinnen und Mieter, für die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt.

I. Die wichtigsten Ergebnisse 2019 im Überblick:

 
1. Die Wohnungsunternehmen investierten seit 1990 ca. 19,7 Mrd. Euro. Heute sind rd. 95 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes voll bzw. teilmodernisiert. Allein im Jahr 2019 wurden 509,1 Mio. Euro investiert. Für 2020 sind rd. 599 Mio. Euro geplant. Hauptsächlich die Erhaltung und Modernisierung der Bestandswohnungen, aber auch der Neubau von Wohnungen an zukunftsfähigen Standorten (139 Mio. Euro) bestimmt die Investitionstätigkeit. Dabei sind Formen des altersgerechten Wohnens Investitionsschwerpunkt. Trotz Corona-Krise gehen wir heute davon aus, dass dieses Investitionsziel erreicht wird.  

2. Die Wohnungsleerstände betrugen Ende 2019 insgesamt 32.670 Wohnungen. Das sind 38.400 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen. Die Leerstandsquote bei den Wohnungsgenossenschaften beträgt jetzt 8,0 Prozent, bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften 13,0 Prozent. Insgesamt haben die kommunalen Wohnungsgesellschaften und die Wohnungsgenossenschaften seit 2000 über 90.000 Wohnungen abgerissen.   In der Perspektive wird die Leerstandsproblematik zunehmen.  Schon heute verteilt sich der Wohnungsleerstand differenziert. Während die Leerstandsquote in den Großstädten bei rd. 6 Prozent liegt, ist sie im ländlichen Raum doppelt so hoch (13,0 Prozent). Ein Indiz für die Ungleichheit von Stadt und Land in Sachsen-Anhalt.

3. Mit durchschnittlich 5,00 Euro/m² liegen die Wohnungsangebote der VdW/VdWg-Mitglieds-unternehmen in einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis. Im Wesentlichen durch Modernisierungsinvestitionen ist die Durchschnittsmiete gegenüber 2018 um 1,5 Prozent gestiegen.

Mit Blick auf die aktuelle öffentliche Debatte in Sachsen-Anhalt um fehlende Sozialwohnungen kann festgestellt werden, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) kein Wohnungsmangel besteht. Ein vergleichsweise gut modernisierter Wohnungsbestand kann preisgünstig angemietet werden. Gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen stehen bezahlbare und sanierte Wohnungen zur Verfügung.

4. Die VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen werden ihre Entwicklungsstrategie als Antwort auf den demografischen Wandel im Jahr 2020/2021 auch unter Corona-Bedingungen konsequent fortsetzen: - Sie investieren in zukunftsfähige Wohnquartiere 2020/2021 rd. 1,2 Mrd. Euro und stabilisieren und schaffen in der Folge Arbeitsplätze. - Sie bleiben Hauptakteure beim Stadtumbau in Sachsen-Anhalt in der Einheit von Investitionen und Abriss nicht benötigter Wohnungen. - Sie haben das Netz der sozialen und wohnungsnahen Dienstleistungen weiterentwickelt und vermehrt altersgerechte Wohnungen geschaffen und werden diese Aktivitäten verstetigen.

II. Wohnungswirtschaft stabil in der Corona-Krise

Die Wohnungsunternehmen unseres Landes sind bislang ein stabiler Faktor in der corona-bedingten Wirtschaftskrise. Die Grundaussage betrifft nicht nur die wirtschaftliche Seite des Wohnens, sondern auch die soziale Seite. Die 191 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften bieten ihren Mitgliedern und Mietern auch in Krisenzeiten gutes und sicheres Wohnen zu günstigen Mieten. Die Wohnung ist gerade jetzt nicht nur ein „Dach über dem Kopf“, sondern auch ein Ort der Arbeit und der Kindererziehung. In dieser Kombination und Intensität eine neue Herausforderung für Wohnungsunternehmen. Dennoch sind die Zukunftsaussichten der Branche getrübt. In diesem und in den nächsten Jahren werden uns die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise deutlich belasten. Sinkende Realeinkommen, verbunden mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, führen zu einer reduzierten Kaufkraft im Bereich Wohnung und Gewerberaum.   Politische Entscheidungen wie das Kurzarbeitergeld, Umsatzsteuersenkung und das Wohngeld haben gut gewirkt und Wohnsicherheit gewährleistet. Hält jedoch die Corona-Krise weiter an, muss im Bereich Wohnen nachjustiert werden.

III. Die Angleichung der Lebensverhältnisse in Stadt und Land ist eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe

Die Bevölkerung des Landes Sachsen-Anhalt wird im Zeitraum 2018 bis 2030 um weitere 218.000 Einwohner schrumpfen. Während die Prognose von einer annähernd stabilen Entwicklung in den Großstädten Magdeburg und Halle ausgeht, werden ohne Ausnahme alle Landkreise auf einen Bevölkerungsrückgang zwischen 11,2 % (Harz) und 15,7 % (Mansfeld-Südharz) Antworten finden müssen.

Die große Mehrheit der Bevölkerung unseres Landes lebt im ländlichen Raum (ca. 80 %) und ist direkt oder indirekt von den negativen Auswirkungen betroffen. Diese Auswirkungen verstärken sich durch die Corona-Krise und bleiben ein Dauerthema.  

Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land wird zu einem zentralen Politikumfeld in Sachsen-Anhalt, ist zugleich Herausforderung für die Wohnungs- und Städtebaupolitik.

Seit über einem Jahr liegt das Gutachten und die Empfehlungen einer Expertenkommission des Bundes vor. Die Wohnungswirtschaft erwartet nun erste Schritte auf Landesebene.

IV.  Wohnen ist zentrales Politikfeld

Die Schaffung und Bewahrung von gutem und bezahlbarem Wohnen ist eine besondere Herausforderung unserer Zeit. Die insgesamt gute und preiswerte Wohnraumversorgung in Sachsen-Anhalt heute ist angesichts der gewaltigen Herausforderungen eine Momentaufnahme. Die Politik muss sich der Tatsache stellen, dass für die Anforderungen an das Wohnen in den Bereichen Klimaschutz und Energiewende, altersgerechten Umbau, Quartiersentwicklung, Stadtumbau, Digitalisierung, Instandsetzung und Sanierung – und das alles unter dem Gesichts-punkt der Bezahlbarkeit bis 2030 – Investitionen allein in Sachsen-Anhalt von geschätzt 20 Mrd. Euro notwendig sind.  Was sind aus Sicht der Wohnungsunternehmen richtige Antworten?

1. Die Städtebauförderung und die soziale Wohnraumförderung leisten einen wichtigen Beitrag für die weitere Entwicklung der Städte und der Wohnungsbestände. Sie müssen auch nach 2020 auf dem heutigen Niveau fortgesetzt werden.

2. Das Wohngeld und die Kriterien der Kosten der Unterkunft müssen stärker und zeitnaher als bisher an die Entwicklung der Wohnungsmärkte angepasst werden. Das ist die Grundlage dafür, dass auch Menschen mit wenig Einkommen den Zugang zu angemessenem Wohnraum haben.

3. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte zu der wichtigsten Frage, wie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land hergestellt werden können, die den Menschen eine Lebensperspektive gibt.

4. Wir brauchen auch künftig einen aktiven Stadtumbau in Sachsen-Anhalt, der von vielen Akteuren getragen und durch eine Stadtumbauförderung auf dem Niveau des Jahres 2020 unterstützt und begleitet wird. Hierzu gehört auch eine „Altschuldenentlastung“ in Form einer Investitionsförderung von Wohnungsunternehmen im ländlichen Raum. Gerade hierfür hat der Bund den Ländern Mittel bereitgestellt, die nun für die Wohnungswirtschaft gerade zur Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum zur Verfügung gestellt werden müssen.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung: Ronald Meißner (+49 171 2142169) und Jens Zillmann (+49 151 11135010).                                                         

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