Presseerklärung zum Jahresende 2017

Presseinfos11.12.17

Zum Jahresende 2017 erklären die Verbandsdirektoren Jost Riecke (VdW) und Ronald Meißner (VdWg):

Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zieht für das Jahr 2017 eine insgesamt positive Bilanz. Die 195 Wohnungsunternehmen beider Verbände verwalten und bewirtschaften ca. 335.000 Wohnungen (ca. 43,5 Prozent des Gesamtmietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt), in denen ca. 650.000 Menschen wohnen. Fast 93 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen sind voll bzw. teilmodernisiert.

I. Die wichtigsten Ergebnisse 2017 im Überblick:

1. Die Wohnungsunternehmen investierten seit 1990 ca. 18,5 Mrd. Euro, davon allein im Jahr 2017 rd. 538 Mio. Euro. Hauptsächlich die Erhaltung und Modernisierung der Bestandswohnungen, aber auch der Neubau von Wohnungen an zukunftsfähigen Standorten, bestimmte die Investitionstätigkeit. Dabei sind Formen des alternsgerechten Wohnens Investitionsschwerpunkt.

2. Die Wohnungsleerstände werden Ende 2017 geschätzte 33.000 Wohnungen betragen. Das sind ca. 38.000 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen.

3. Mit Blick auf die öffentliche Debatte um Wohnungsmangel und bezahlbaren Wohnraum in Ballungszentren wie Hamburg, München und Berlin kann für Sachsen-Anhalt festgestellt werden, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) kein Wohnungsmangel besteht. Ein vergleichsweise gut modernisierter Wohnungsbestand kann preisgünstig angemietet werden. Gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen stehen ausreichend bezahlbare Wohnungen zur Verfügung.

Mit durchschnittlich ca. 4,90 Euro/m² liegen die Wohnungskaltmieten der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Trotz hoher Investitionstätigkeit sind die Durchschnittsmieten kaum gestiegen im Vergleich zum Vorjahr.

4. Die VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen haben ihre Entwicklungsstrategien im Jahr 2017 konsequent fortgesetzt:

  • Sie haben in zukunftsfähige Wohnhäuser investiert, in der Folge Arbeitsplätze im Handwerk stabilisiert und den sozialen Frieden in den Wohnquartieren gesichert.
  • Sie waren Hauptakteure beim Stadtumbau in Sachsen-Anhalt.
  • Sie haben das Netz der wohnungsnahen Dienstleistungen weiterentwickelt und vermehrt alternsgerechte Wohnungen geschaffen.

Insgesamt hat die Wohnungswirtschaft die positive Entwicklung der Vorjahre fortgesetzt, die jedoch in den nächsten Jahren insbesondere in Folge der weiteren demografischen Veränderungen negativ beeinflusst werden wird.

II. Zukunftsaufgaben 2018 in Sachsen-Anhalt

1.   Die Wohnqualität zeitgemäß und preiswert weiterentwickeln

Die Wohnungsunternehmen planen für das Jahr 2018 ein Investitionsvolumen in Höhe von ca. 600 Mio. Euro. Differenziert nach den Gegebenheiten der in Sachsen-Anhalt vorhandenen unterschiedlichen Wohnungsmärkte wird hauptsächlich in die Erhaltung und die Modernisierung des Wohnungsbestandes, aber auch in den Neubau von Wohnungen an zukunftsfähigen Standorten investiert werden. Formen des alternsgerechten Wohnens und Maßnahmen zur Energieeffizienz bleiben Investitionsschwerpunkte. Mit einem prognostizierten durchschnittlichen Mietpreis von 4,95 Euro/m² werden die Mietpreise auch 2018 ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis wider-spiegeln. 2018 werden gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen preisgünstige Wohnungen in guter Qualität zur Verfügung gestellt.

2.   Der Stadtumbau Sachsen-Anhalt muss politisch Schwerpunkt der Landes- und Kommunalpolitik bleiben

Der Stadtumbau in Sachsen-Anhalt ist eine Erfolgsgeschichte. Dazu haben nicht nur die abgerissenen Wohnungen, sondern ebenso die gleichzeitigen Aufwertungen in den Wohnquartieren beigetragen. Der Bund hat mit der Aufstockung der Förderung 2018 eine verlässliche politische Perspektive für Land, Kommune und Wohnungswirtschaft geschaffen. Diese Mittelzusage muss nun von der neuen Regierung im Bundeshaushalt 2018 bestätigt werden.

3.   Die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen

Die Versorgung von Flüchtlingen mit Wohnraum und vor allem die Integration in die Wohngebiete stellt eine langfristige gesellschaftliche und wohnungswirtschaftliche Aufgabe dar. Die Versorgung mit Wohnraum ist gesichert. Hier haben gerade kommunale Wohnungsgesellschaften und auch Wohnungsgenossenschaften einen wesentlichen Beitrag geleistet. Nun muss die Integration noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.

4.   Klimaschutz und Energieeffizienz müssen wirtschaftlich für Mieter und Vermieter sein

Der Klimaschutz und die Energieeffizienz sind seit vielen Jahren Leitthemen der Unternehmensführung. Seit 1990 haben schätzungsweise über 8 Mrd. Euro Investitionen in die Wohnungsbestände zu mehr Energieeffizienz und damit zu deutlichen Kostenreduzierungen auf Mieterseite geführt. In vielen Wohnquartieren ist jedoch der Grenznutzen bereits erreicht. Mehr Investitionen auf Vermieterseite führen zu keinem vertretbaren Nutzen auf Mieterseite.

Eine weitere Verschärfung der Klimaschutzziele, wie aktuell von der Bundesregierung (weitere Einsparung von 8 Millionen CO2 bis 2030) beschlossen, verteuert das Wohnen. Das passt nicht zum politischen Ziel, bezahlbares Wohnen zu sichern und neue bezahlbare Wohnungen zu bauen.

5.   Die Städtebau- und Wohnungsbauförderung durch Bund/Land und Kommunen hat einen wichtigen Beitrag zu der insgesamt guten Wohnraumversorgung in Sachsen-Anhalt geleistet

Der notwendige Abriss und die Aufwertung von Wohnungsbeständen werden durch verschiedene Programme unterstützt, erfreulicherweise jetzt auch durch Zuschussprogramme, die insbesondere für die, die vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung, sinnvolle Barrierereduzierung der Wohnungen wichtig sind.

III. Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt – Anforderungen an die nächsten vier Jahre Bundespolitik

Mit Blick auf die neue Legislaturperiode im Bund ist für uns wichtig:

1.   Verlässliche Förderprogramme

Neben der Sicherstellung der finanziellen Mittel für die Städtebauförderung zählt hierzu auch die Wohnraumförderung, insbesondere deren Fortsetzung über das Jahr 2019 hinaus.

Dazu kommt eine kontinuierliche Anpassung des Wohngeldes und der Kosten der Unterkunft an veränderte Marktbedingungen und eine Klimakomponente in beiden Systemen, die es Menschen mit wenig Geld ermöglicht, in energetisch sanierten Wohnungen zu wohnen.

2.   Starke ländliche Räume

Mit Ausnahme der Großstädte Magdeburg und Halle werden alle Landkreise in Sachsen-Anhalt und Dessau-Roßlau in den nächsten Jahren Einwohner verlieren. In der Folge wird der Wohnungsleerstand wieder steigen. Grundlegende Strategie aller Ebenen des Staates und der Politik muss es daher sein, die Infrastruktur in strukturschwachen Regionen zu sichern und so auch in ländlichen Räumen lebendige Zentren zu erhalten. Wohnungspolitisches Denken der letzten Jahre hat sich auf Bundesebene zu einseitig auf die Wohnungsknappheit in den Metropolregionen verengt. Die Aufmerksamkeit muss stärker auf die schrumpfenden Regionen gerichtet werden. Der unverändert anhaltende Bevölkerungsrückgang, flächendeckend in Sachsen-Anhalt, erfordert andere Maßnahmen (z. B. Abrissförderung) als in den Ballungsgebieten. Die sich jetzt abzeichnende Entwicklung mit steigendem Leerstand darf die Existenz von Wohnungsunternehmen nicht gefährden.

3.   Bezahlbarer Klimaschutz

Die Klimaziele der Bundesregierung gehen von einer weiteren Erhöhung der derzeitigen Sanierungsraten aus. Das kann nur gelingen, wenn alle Wohnungseigentümer ins Boot geholt werden. Eine politisch diskutierte Verbesserung der steuerlichen Abschreibung wirkt nur in einem Teilsegment des Wohnungsmarktes. Besser, weil sie für alle wirkt, ist eine Investitionszulage (Vorschlag 15 Prozent der begünstigten Investitionsaufwendungen). Die Einführung einer Investitionszulage für Maßnahmen der energetischen Modernisierung von Gebäuden ist zudem einfach und praktikabel in der Anwendung. Sie führt zu mehr Investitionen und verringert Mieterhöhungen nach Sanierung wesentlich.

4.   Zuhause im Alter gestalten

Ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Mieter wollen bei uns bis ins hohe Alter nach dem Grundsatz „Daheim statt Heim“ in ihrer Wohnung bleiben. Dazu müssen Barrieren in bestehenden Wohnungen weiter abgebaut werden und die Wohnung nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“, als Gesundheits- und Pflegestandort gestärkt werden. Neben der Erweiterung des Kataloges gemäß § 555b BGB um barrierearme Modernisierungsmaßnahmen muss der Bund das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ weiter verbessern. Weiter sind geeignete technische Assistenzsysteme in das Leistungsrecht der Kranken- und Pflegekassen aufzunehmen.

5.   Weitere Rahmenbedingungen beachten

Um gutes, soziales und bezahlbares Wohnen zu sichern, muss zusätzlich darauf geachtet werden, dass die Integrationsanstrengungen der Wohnungswirtschaft vor allem im Bereich der sozialen Betreuung besser unterstützt werden, ein ausgewogenes Mietrecht gesichert wird und die Kosten des Bauens in allen Bereichen gesenkt und das Regelwerk eingedämmt wird.

Im „Glücks-Atlas“ ist die Zufriedenheit mit dem Wohnen/Freizeit in Sachsen-Anhalt besser als im deutschlandweiten Durchschnitt. Insofern haben die Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften bisher bei der Wohnraumversorgung offensichtlich vieles richtiggemacht und dies sollte fortgesetzt werden.