Presseerklärung anlässlich der Vorstellung der Jahresstatistik 2017

Presseinfos16.05.18

Magdeburg – Anlässlich der Vorstellung der Jahresstatistik 2017 der Wohnungswirtschaft in Sachsen-Anhalt erklären die Verbandsdirektoren Jost Riecke (VdW) und Ronald Meißner (VdWg):

„Die kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt zieht für das Jahr 2017 eine insgesamt positive Bilanz. Die 195 Wohnungsunternehmen beider Verbände verwalten und bewirtschaften 329.435 Wohnungen (ca. 42,8 Prozent des Gesamt-mietwohnungsbestandes in Sachsen-Anhalt), in denen über 600.000 Menschen wohnen.“

I. Die wichtigsten Ergebnisse 2017 im Überblick

1.        Die Wohnungsunternehmen investierten seit 1990 ca. 18,6 Mrd. Euro. Heute sind rd. 95 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes voll- bzw. teilmodernisiert. Allein im Jahr 2017 wurden 456,4 Mio. Euro investiert. Für 2018 sind 556 Mio. Euro geplant. Hauptsächlich die Erhaltung und Modernisierung der Bestandswohnungen, aber auch der Neubau von Wohnungen an zukunftsfähigen Standorten (152 Mio. €) bestimmt die Investitions-tätigkeit. Dabei sind Formen des alternsgerechten Wohnens Investitionsschwerpunkt.

2.       Die Wohnungsleerstände betrugen Ende 2017 insgesamt 31.987 Wohnungen. Das sind 38.984 Wohnungen weniger als noch 2005. Ohne Wohnungsabriss wäre der Leerstand gestiegen. Die Leerstandsquote bei den Wohnungsgenossenschaften beträgt jetzt 8,3 Prozent, bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften 12,1 Prozent. Insgesamt haben die kommunalen Wohnungsgesellschaften und die Wohnungsgenossenschaften seit 2000 über 89.000 Wohnungen abgerissen.

3.       Mit durchschnittlich 4,88 Euro/m² liegen die Wohnungsangebote der VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen in einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Im Wesentlichen durch Modernisierungsinvestitionen ist die Durchschnittsmiete gegenüber 2016 um 1,2 Prozent gestiegen.

      Mit Blick auf die öffentliche Debatte um Wohnungsmangel und fehlenden bezahlbaren Wohnraum in Ballungszentren kann für Sachsen-Anhalt festgestellt werden, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt (auch in den Großstädten Magdeburg und Halle) kein Wohnungsmangel besteht. Ein vergleichsweise gut modernisierter Wohnungsbestand kann preisgünstig angemietet werden. Gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen stehen bezahlbare und sanierte Wohnungen zur Verfügung.

4.      Die VdW/VdWg-Mitgliedsunternehmen haben ihre Entwicklungsstrategie als Antwort auf den demografischen Wandel im Jahr 2017 konsequent fortgesetzt:

-         Sie haben in zukunftsfähige Wohnquartiere investiert (2016/2017 rd. 1 Mrd. Euro) und in der Folge Arbeitsplätze stabilisiert und geschaffen.

-           Sie waren Hauptakteure beim Stadtumbau in Sachsen-Anhalt und haben neben den Investitionen im Bestand und Neubau über 2.000 Wohnungen vom Markt genommen.

-         Sie haben das Netz der sozialen und wohnungsnahen Dienstleistungen weiterentwickelt und vermehrt alternsgerechte Wohnungen geschaffen.

 II. Demografische Entwicklung und steigende Baukosten haben negative Auswirkungen auf die künftige Geschäftslage vieler Wohnungsunternehmen

Während 66,9 Prozent der Wohnungsunternehmen die gegenwärtige Geschäftslage als sehr gut bis gut bewerten, erwarten 14,2 Prozent der Unternehmen in den nächsten 2 - 3 Jahren eine Verschlechterung der Geschäftslage.

Hierfür gibt es zwei wesentliche Ursachen:

1.        Alle Landkreise werden weiterhin deutlich Einwohner verlieren. In der Folge sinkt die Nachfrage nach Wohnraum.

2.       Die Baukosten steigen auch als Folge zunehmenden Handwerkermangels und weiterer   Auflagen.

III. Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt begrüßt Politikvorhaben im Bereich Bauen und Wohnen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung

1.        Das Politikfeld „Bezahlbares Wohnen und Bauen“ hat einen neuen herausragenden Stellenwert in der Bundespolitik.

Die Bewertung der Vorhaben fällt aus Sicht der Wohnungswirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt insgesamt positiv aus. Hervorzuheben ist die Absicht, die Mittel für die soziale Wohnraumversorgung und die Städtebauförderung mindestens auf heutigem Niveau und langfristig zu verstetigen. Das ist für Städte, Bürger und Unternehmen gleichermaßen eine gute Nachricht.

2.       Negativ fällt jedoch die Bewertung der Politikansätze im Mietrecht aus. Das betrifft die Verschärfung gesetzlicher Mindestanforderungen an einen qualifizierten Mietspiegel ebenso wie die geplanten Änderungen der Modernisierungsumlage. Sachsen-Anhalt braucht beides nicht.

3.       Gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land sind ein wichtiges Politikziel. Unter wohnungswirtschaftlichen Aspekten nimmt die Differenzierung zwischen Stadt und Land zu. Ein Indikator hierfür ist die Leerstandsquote. Während sie bei unseren Mitglieds-unternehmen in den Großstädten Magdeburg und Halle 5,8 Prozent beträgt, ist der Leerstand in den Landkreisen und Stadt Dessau-Roßlau (12,7 Prozent) doppelt so hoch. Die Wohnungswirtschaft begrüßt daher die Aussagen im Koalitionsvertrag bezüglich der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in handlungs- und leistungsfähigen Kommunen sowohl in städtischen als auch ländlichen Räumen. Ein neues gesamtdeutsches Fördersystem sollte sich gegen eine wachsende Ungleichheit zwischen Ballungsräumen und strukturschwachen, schrumpfenden Regionen richten. Hierzu wird die Bundesregierung zusammen mit den Ländern eine Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ einsetzen, die bis Mitte 2019 konkrete Vorschläge erarbeiten soll. Dabei soll u. a. auch das Thema der Altschuldenproblematik von Wohnungsunter-nehmen betrachtet werden.

Beide wohnungswirtschaftlichen Verbände regen an, dass das Land Sachsen-Anhalt mit Beteiligung der Wohnungswirtschaft ebenso wie auf Bundesebene eine Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ einsetzt, die Vorschläge aus der Perspektive Sachsen-Anhalts erarbeitet.